Wir wollen alles!
Heraus zum 1. Mai!

Wer wir sind

Das Wir wollen alles!-Bündnis entstand im Vorfeld des 1. Mai 2007. Verschiedene libertäre Gruppierungen aus der ganzen Schweiz sind Teil davon. Wir rufen dieses Jahr zu mehreren Demonstrationen in der Schweiz auf und fordern am 1. Mai und auch sonst: Wir wollen alles!

Immer weniger für immer mehr

Auch dieses Jahr ist gekennzeichnet vom Abbau der Sozialleistungen, Kürzungen im Bildungswesen und der Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse. Auch dieses Jahr klingelt früh morgens der Wecker und auch dieses Jahr reproduzieren wir das, was uns Tag für Tag in neue und alte Zwänge drängt, indem wir unsere Arbeitskraft für einen Lohn verkaufen, welcher immer unter dem Wert des von uns Produzierten liegen muss. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter müssen ihre Arbeitskraft auf mehrere Jobs verteilen, die Arbeitszeiten steigen und trotzdem kommt tendenziell immer weniger Einkommen in die eigene Tasche und Jahr für Jahr sinkt die Kaufkraft der Arbeiterinnen und Arbeiter. Studentinnen und Studenten, welche nicht vom Staat oder ihren Eltern unterstützt werden, müssen sich ihr Studium mit Nachtarbeit unter schlechten Bedingungen finanzieren und Schülerinnen und Schüler werden bereits in jungen Jahren mit dem alles umfassenden kapitalistischen Alltag konfrontiert, in dem Jobs Mangelware sind und die Einbussen so hoch, dass sie schnell begreifen, „oben“ zu kriechen und unten zu treten. Leider merken dabei nur wenige, dass Perspektiven im Kapitalismus immer nur Perspektiven fürs Kapital und nie für diejenigen sind, welche die Existenz des Systems überhaupt erst garantieren – die Klasse der Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeitern. Sie glauben immer noch an die märchenhafte Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär.

Die aus dem System entstehende Standortkonkurrenz hat auch zur Konsequenz, dass zwischen Nationalitäten vermeintlich bestehende Unterschiede reproduziert werden. Wenn sich die Klasse schon als solche zu begreifen droht, soll sie doch wenigstens in die rassistischen Schemen gepresst werden.

Keine Perspektiven mit systemtreuen Gewerkschaften und Sozialdemokratie

Der Prozess des Begreifens, dass die Verwertung der Arbeitskraft keine Perspektive für ein angenehmes Leben in Wohlstand ermöglicht, hat längst begonnen. Dort gilt es anzusetzen und mitzukämpfen. Wer sich in dieser Situation mit Repräsentanten und Repräsentantinnen der herrschenden Klasse an einen Tisch setzt, um die „soziale Frage“ zu erörtern, macht sich zu deren Handlangerin und Handlanger. Weder die Sozialdemokratie mit ihrer klassenfeindlichen Politik noch die Gewerkschaften mit ihren altbackenen Halbweisheiten, welche schlussendlich immer nur über den Popularitätsanspruch in der Politik und das eigene finanzielle Budget bestimmt werden, zeigten und zeigen Perspektiven für die Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse auf. Sie sind nur als regulierender und integrativer Teil des Ganzen zu verstehen, denn immer dann, wenn Arbeitskämpfe revolutionäre Tendenzen aufweisen, verhindern und blockieren Gewerkschaften diese. Beispiele verhinderter und blockierter Kämpfe gibt es viele – Es ist an der Zeit, daraus zu lernen und sich selbst zu organisieren.

Verteidigung des Wirtschaftsstandortes

Der Gegensatz zwischen Kapital und Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeitern wird mit allen Mitteln verteidigt. Der Staat übernimmt hier eine wesentliche Funktion. Der Sozialstaat baut sich zwar selbst immer weiter ab – zu Gunsten des Kapitals – greift aber mit aller Härte in Streiks und Kämpfe auf der Strasse ein und übernimmt so eine regulierende Aufgabe. Der Wirtschaftstandort wird von sämtlichen Parteien und mit allen Mitteln verteidigt. Rücksicht auf diejenigen, welche die Folgen dieser Standortpolitik tragen müssen, wird natürlich keine genommen.

Nicht unsere Gesellschaft!

Während hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Strasse stehen, werden die Arbeitsbedingungen für die Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter kontinuierlich prekarisiert. Wer sich in dieser Lage noch traut nach etwas mehr Lohn oder Freizeit zu fragen oder nur schon versucht, die bestehenden Arbeitsbedingungen zu verteidigen, bekommt zu hören, dass Draussen noch Massen stehen, die auch einen Job wollen. So prostituieren sich immer mehr für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, welche dem ständigen Konkurrenzdruck auf dem globalen Markt ausgeliefert sind und selbst wenig Möglichkeiten haben, die Prekarisierung einzudämmen. Dieses System lässt keine Veränderung im System zu. Es kann nur gesamthaft überwunden werden.

Die rasante Verschlechterung der eigenen Lebensumstände wird als natürlicher Prozess für diejenigen verstanden, welche sich eben zu wenig angestrengt haben, nicht gescheit genug sind oder eben einfach aus der falschen Familie oder dem falschen Land stammen. Meist sind alle Länder, ausser natürlich das eigene, irgendwie falsch. Die Selbstverständlichkeit des natürlichen Rechts auf ein angenehmes Leben und Wohlstand existiert im Kapitalismus nicht. Die Vorstellung, einzelne Arbeiterinnen und Arbeiter hätten die Möglichkeit sich dies zu erarbeiten, entpuppt sich immer wieder als verklärtes Geschwätz. Mit einem solchen Verständnis können wir uns nicht identifizieren. Eine solche Gesellschaft ist nicht unsere Gesellschaft.

Darauf scheissen wir & wollen alles!

Die bürgerlichen Medien haben den ersten Mai seit Jahrzehnten immer wieder als rituelles Rumlatschen und die dazugehörende Randale dargestellt. Darauf scheissen wir. Der erste Mai mag für einige von uns ein besonderer Tag des Widerstandes sein, reiht sich aber ein in die alltägliche antikapitalistische Praxis, welche in der Schule beginnt, im Betrieb und in der Uni weitergeht und in den eigenen vier Wänden noch nicht zu Ende ist. So nutzen wir also den 1. Mai für diese Kampagne, welche sich nicht an diejenigen richtet, welche glauben, mit Abstimmungen und Wahlen den Kapitalismus zu überwinden. Sie richtet sich auch nicht an diejenigen, welche glauben, mit der Machtergreifung im Staat eine klassenlose Gesellschaft zu erreichen, sie richtet sich auch nicht an diejenigen, welche von nationaler Identität und Einheit schwatzen oder den Kapitalismus als jüdisch-amerikanische Verschwörung wahrnehmen. Diese Kampagne richtet sich an diejenigen, welche sich jeden morgen um 7 Uhr angeschissen fühlen, aus dem Alltag ausbrechen wollen, keinen Bock auf (Re-)Produktion des Systems haben, welches sie Tag für Tag fertig macht. Diese Kampagne steht für all diejenigen, welche die Überwindung des Kapitalismus und der damit verbundenen Zwänge anstreben, die klassen- und staatenlose Gesellschaft erreichen wollen und Bruchstellen erkennen, an welchen angesetzt werden kann. Sei es im Betrieb, in der Uni, in der Schule oder wo auch immer Gegensätze existieren.

Wir wollen eingreifen, mitkämpfen und uns selbst organisieren. Möglichst herrschaftsfrei, solidarisch und kämpferisch. Wilde Streiks, Sabotageaktionen, Informationsprojekte, Bildungskämpfe oder Beteiligung an dieser Kampagne. Es gibt genügend Wege zur sozialen Revolution – beschreiten wir sie!

Raus aus dem ganzen Scheiss!
Luxus für alle!
Lohnarbeit abschaffen!
Den kapitalistischen Alltag durchbrechen!
Herrschaftsfreiheit und Solidarität!
Geschlechterrollen zerschlagen!
Bildung für alle!
Gegen jeden Antisemitismus und Rassismus!
Kein Fussbreit für Faschismus!
Betriebe in die eigenen Hände nehmen!
Für die Freiheit – Für das Leben!
FÜR DIE ANARCHIE

Wir wollen alles!

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Redebeitrag Winterthur & St. Gallen

Genossinnen und Genossen

[Bevor ich mit meinem Redebeitrag beginne, möchte ich auf die Rede von Stadtrat Walter Bossert eingehen. Herr Stadtrat, sie griffen in Ihrer Rede auf das Politjargon rechtsextremer Parteien wie PNOS und NPD zurück, sprachen von „Heuschreckenkapitalismus“ und „Tickets Moskau einfach für den Sulzer-Boss und Konsorten“. Darauf haben wir nur eine Antwort: Finger weg von der antisemitischen Klaviatur! ] (nur Winterthur)

Der Mythos der „sozialen Marktwirtschaft“ zerbröselt unter dem Druck der Krise. Aus der Traum von der Versöhnung von Profit und Massenwohlstand, von Akkumulation und Vollbeschäftigung, vom Happy-End der Klassengesellschaft im Wohlfahrtsstaat für alle; vorbei die Zeiten, in denen die Rechten argwöhnen mussten, die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie arbeiteten still und leise an der Einführung des Sozialismus, wenn sie die Mitbestimmung im Betrieb vorsichtig ausweiteten, und viele Linke exakt das gleiche dachten und frohen Mutes, getreu der trotzkistischen Mär, den langen Marsch durch die Institutionen antraten. Die Traumhochzeit von Kapital und Arbeit vor dem Traualtar des Sozialstaates endet gegenwärtig im grossen Schlamassel – Abbau der Sozialleistungen, Kürzungen im Bildungswesen und Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse.

Um mehr als einen Trostpreis für die Arbeiterklasse ging es selbstverständlich nie: lebenslange Unterwerfung unter den Fluch der Arbeit – dafür zwischendurch etwas Urlaub, gelegentlich einen Teuerungsausgleich und dann und wann etwas Arbeitszeitverkürzung, aber bitte nicht zuviel. Wahrlich, diesen heutigen Tag werden wir nicht dazu nutzen, der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften zu huldigen.

Vor 120 Jahren forderten Arbeiterinnen und Arbeiter in Chicago während einem mehrtägigen Streik den Achtstundentag. In dessen Verlauf schoss die Polizei in die streikende Menschenmenge und tötete eine unbekannte Anzahl Streikender und richtete im Anschluss acht Anarchisten, welche an diesem 1. Mai Ansprachen vor den Streikenden hielten. Vor rund 120 Jahren entstand dieser Kampftag zum Gedenken an die getöteten Arbeiterinnen und Arbeiter und zum Kampftag für die Klasse der Lohnabhängigen.

Tatsache ist, dass unsere Wecker auch dieses Jahr immer noch frühmorgens klingeln. Leider tun sie dies nicht aus reiner Selbstgefälligkeit, nein, sie klingeln, um uns tagtäglich daran zu erinnern, dass wir die folgenden acht, neun, zehn oder gar noch mehr Stunden das zu reproduzieren haben, was uns immer wieder in neue und alte Zwänge drängt, indem wir unsere Arbeitskraft für einen Lohn verkaufen, welcher immer unter dem Wert des von uns Produzierten liegen muss. Studentinnen und Studenten, welche nicht vom Staat oder ihren Eltern unterstützt werden, müssen sich ihr Studium mit Nachtarbeit unter schlechten Bedingungen finanzieren und Schülerinnen und Schüler werden bereits in jungen Jahren mit dem kapitalistischen Alltag konfrontiert, in dem Jobs Mangelware sind und die Einbussen so hoch, dass sie schnell begreifen, „oben“ zu kriechen und unten zu treten. Leider merken dabei nur wenige, dass Perspektiven im Kapitalismus immer nur Perspektiven fürs Kapital sind.

Nachdem die Gewerkschaften und Parteien uns immer wieder aufs Neue verarscht haben, ist es mit unserer Geduld zu Ende. Wir haben den Verrat von Reconvilier und all die andern Scheinkämpfe nicht vergessen, denn sie gehen weiter. Sei es bei GateGourmet, den SBB, bei der Post oder sonst wo. Sie sind nur als regulierender und integrativer Teil des Ganzen zu verstehen, denn immer dann, wenn Arbeitskämpfe revolutionäre Tendenzen aufweisen, verhindern und blockieren Gewerkschaften diese – Es ist an der Zeit, daraus zu lernen und sich selbst gegen das Kapital zu organisieren.

Während hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter auf der Strasse stehen, werden die Arbeitsbedingungen für die Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter kontinuierlich prekarisiert. Wer sich in dieser Lage noch traut nach etwas mehr Lohn oder Freizeit zu fragen oder nur schon versucht, die bestehenden Arbeitsbedingungen zu verteidigen, bekommt zu hören, dass Draussen noch Massen stehen, die auch einen Job wollen. So prostituieren sich immer mehr für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, welche dem ständigen Konkurrenzdruck auf dem globalen Markt ausgeliefert sind und selbst wenig Möglichkeiten haben, die Prekarisierung einzudämmen. Dieses System lässt keine Veränderung im System zu. Es kann nur gesamthaft überwunden werden.

Das angenehme Leben und der Wohlstand fürs Proletariat existieren im Kapitalismus nicht. Die Vorstellung, einzelne Arbeiterinnen und Arbeiter hätten die Möglichkeit sich dies zu erarbeiten, entpuppt sich immer wieder als verklärtes Geschwätz. Mit einem solchen Verständnis können wir uns nicht identifizieren. Eine solche Gesellschaft ist nicht unsere Gesellschaft.

Gegenwärtig fehlt den sozialen Kämpfen meist der offensive Charakter – verschwunden sind sie aber keineswegs. In Polen kam es beispielsweise in den letzten Jahren nicht nur zu monatelangen Betriebsbesetzungen und militanten Konfrontationen zwischen Bergarbeitern und der Staatsmacht, sondern auch zu Solidaritätsstreiks mit diesen Kämpfen. In Argentinien war die Besetzung der Textilfabrik Brukman und der Keramikfabrik Zanón ein Vorschein dessen, was revolutionäre Aneignung heißt: das Eigentum wurde in Frage gestellt, die Produktion in die eigenen Hände genommen, was die Arbeiterinnen und Arbeiter ohne die tätige Solidarität anderer prekarisierter Gruppen nicht hätten schaffen können. Sie änderten ihre Verhältnisse, die nicht mehr unter einer Betriebshierarchie stehen, und fingen an, alles kollektiv zu organisieren. Natürlich sind diese Aktionen noch mit allen Widersprüchen behaftet, die einem lokal begrenzten Befreiungsversuch aufgezwungen werden. Lohnarbeit und Kapital können letztendlich nur weltweit aus den Angeln gehoben werden. Deswegen wird die revolutionäre Bewegung – genau wie das Kapital – vor keiner nationalen Grenzen halt machen, andernfalls wäre sie verloren.

Nirgends dürfen die Gewerkschaften das Sagen haben, die jeden Widerstand in die bestehende Ordnung integrieren. Überall müssen wir die Linke des Kapitals kritisieren, die den alten Plunder aus über hundert Jahren Reformismus feilbietet.

Wir wollen eingreifen, mitkämpfen und uns selbst organisieren. Möglichst herrschaftsfrei, solidarisch und kämpferisch. Wilde Streiks, Sabotageaktionen, Informationsprojekte, Bildungskämpfe oder Beteiligung an dieser Demo. Dies wird erst der Anfang sein, aber wer weiß… manchmal überschlagen sich die Ereignisse!

Luxus für alle!

Lohnarbeit abschaffen!

Den kapitalistischen Alltag durchbrechen!

Herrschaftsfreiheit und Solidarität!

Geschlechterrollen zerschlagen!

Bildung für alle!

Gegen jeden Antisemitismus und Rassismus!

Kein Fussbreit für Faschismus!

Betriebe in die eigenen Hände nehmen!

FÜR DIE ANARCHIE

Raus aus dem ganzen Scheiss!

Rein in den „Wir wollen alles!“ – Block!